Drukpa Linie

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Die Linie erhielt den Namen ‚Drukpa‘ im 12. Jahrhundert, als Avalokiteshvara (tib. Chenrezig) – der grosse Herr des universellen Mitgefühls – menschliche Form annahm und sich in Tibet als der herausragende Schüler von Mahasiddha Lingchen Repa verkörperte. Dieses erhabene Wesen wurde Drogön Tsangpa Gyare genannt, was folgendes bedeutet: Drogön – der Beschützer der Wesen; Tsang – geboren im Land Tsang; Gya – vom edlen chinesischen Klan (Gya) abstammend; Re – ein baumwoll-bekleideter Yogi.

‚Druk‘ bedeutet auf Tibetisch ‚Drachen‘ und das bezieht sich auch auf den Ton des Donners. Im Jahre 1206, genau vor 800 Jahren, sah Tsangpa Gyare Yeshe Dorje 9 Drachen vom Namdruk-Gelände aus in den Himmel aufsteigen und er nannte seine Linie nach diesem verheissungsvollen Ereignis ‚Drukpa‘ oder ‚Die Linie der Drachen‘. Auf diese Weise wurde Tsangpa Gyare der Liniengründer und war als der erste Gyalwang Drukpa bekannt geworden.

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Tsangpa Gyare war in vielen Sutren und Tantren prophezeit worden und wurde als die unzweifelhafte Emanation von Naropa (1016 – 1100) anerkannt. Im Haupttantra des Manjushri (Toh. 543) sprach Buddha Shakyamuni vom kommenden Tsangpa Gyare:

Drei tausend Jahre nach meinem Nirvana

wird Sönam Nyingpo in seiner zukünftigen Wiedergeburt

im Land des Schnees erscheinen.

Er wird in die Hwashang (chinesische) Rasse geboren werden

und den Namen Gelong Yeshe Dorje erhalten.

Er wird sich der weltlichen Existenz enthalten

und willentlich die wesentliche Bedeutung umfassen.

Er wird fühlende Wesen zur Befreiung führen;

und während er im Geist frei von den beiden Extremen verweilt,

wird er meine Doktrin zur Blüte bringen.

Tsangpa Gyares Ur-Urgroßvater war einer der zwei starken chinesischen Männer, die ausgewählt wurden, den königlichen Wagen zu ziehen, der die wertvolle Statue des Jowo Shakyamuni nach Tibet brachte, als die chinesische Prinzessin Wenchen der Tang Dynastie den berühmten tibetischen König Songtsen Gampo (617-650) heiratete. Im ersten Teil seines Lebens wurde Tsangpa Gyare ‚Gyaton‘ genannt, was wörtlich ‚chinesischer Lehrer‘ bedeutet.

Tsangpa Gyare enthüllte zu Lebzeiten viele Schätze heiliger Lehren und Objekte in Südtibet, und er entdeckte auch Tsari, einen sehr bekannten, heiligen und kraftvollen Platz in Tibet. Wegen seiner spirituellen Verwirklichungen wurde Tsangpa Gyare als Druk Tamchay Khyenpa, der allwissende Drache, bekannt, und ehrerbietend auch Je Drukpa (der Herr Drachen Meister) genannt. Er war ein berühmter Lehrer, dessen Belehrungen manchmal von bis zu 50.000 Leuten gleichzeitig gehört wurden. Den Aufzeichnungen zufolge hatte er 88.000 bedeutende Schüler, von denen 28.000 erleuchtete Yogis waren. Sein Orden wurde berühmt für die Reinheit, Einfachheit und die Askese seiner Anhänger und den Tiefgang seiner spirituellen Lehren. Er schrieb einen anerkannten Kommentar über das Chakrasamvara Tantra und lehrte vielerorts.

Als Tsangpa Gyare im Jahre 1211 starb, erschien an seinem Verbrennungstag ein Regenbogenbaldachin, und Blütenenregen fielen. Viele konnten himmlische Musik hören und ein wunderbares Aroma in der Luft riechen. Bei der Verbrennung seines Körpers blieben sein Herz, seine Zunge und die Augen intakt. Auf seinem Schädel erschienen Bilder von Arya Avalokiteshvara, Manjurshi und Vajrapani; die 21 Wirbel seiner Wirbelsäule verwandelten sich in 21 Ministatuen von Avalokiteshvara. Viele dieser Relikte sind in verschiedenen Drukpa Klöstern noch zu sehen und sind Beweise der spirituellen Realisierung von Tsangpa Gyare.

Das Königreich Bhutan, das als eines der wenigen verbleibenden buddhistischen Königreiche, und als Reines Land in den Himalayas gilt, wird auch ‚Druk‘ oder ‚Druk Yul‘ genannt, was soviel wie ‚Land der Donnerdrachen‘ heisst und seine Menschen werden auch ‚Drukpa‘ genannt. Dies kommt daher, dass im 17. Jahrhundert eine der 4. Reinkarnationen Tsangpa Gyares, Shabdrung Ngawang Namgyal (1594-1651), die kriegsführenden Regionen Bhutans vereint hatte und ihr politischer und religiöser Führer dort wurde. Während seiner Herrschaft war er verantwortlich für die Erbauung vieler Festungspaläste und Klöster, und hat auch viele buthanesische Gewohnheiten, Traditionen und Zeremonien geprägt. Hierdurch entstand eine einzigartige, von der tibetischen verschiedenen, kulturelle Identität.

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Drikung and Drukpa Practitioners at Mount Kailash

Guru PadmasambhavaIn the 8th century CE, Guru Padmasambhava meditated at Mount Kailash and the cave where he meditated was known as Sangag Chophug. In the 11th century CE, the great translator, sent his famous disciple Milarepa to meditate at Mount Kailash. Later, Milarepa’s disciple, Gampopa, instructed Phagmo Drupa to send practitioners to meditate at Tsari, Lachi and Mount Kailash, but the coincidence of cause and effect did not work out appropriately for the latter to carry out the instructions of Gampopa.

 

 

 

Phagmo DrupaNevertheless, Phagmo Drupa explained the importance of meditating and sending meditators to these three places to his disciples Drikung Kyobpa Jigten Gonpo and Lingchen Repa Pema Dorje.

 

 

 

 

 

Drikung Kyobpa Jigten Gonpo

Drikung Kyobpa Jigten Gonpo sent three batches of disciples to meditate at Mount Kailash. Lingchen Repa instructed his disciple Tsangpa Gyare, the first Gyalwang Drukpa, to meditate at Mount Kailash. The latter not only meditated at Tsari and Lachi, but also visited almost all the sacred places around Mount Kailash and spread the Drukpa lineage teachings.

 

 

 

 

 

Tsangpa GyareThe first Gyalwang Drukpa, Tsangpa Gyare, gathered so many disciples that the following became a popular folk saying in Tibet,

མི་ཕྱེད་འབྲུག་པ།

Half the population is Drukpa

འབྲུག་ཕྱེད་སྤྲང་པོ།

half the Drukpas are begging mendicants

སྤྲང་ཕྱེད་གྲུབ་ཐོབ།

and half the begging mendicants are enlightened beings.

 

Thus, the Drikung and Drukpa lineages started the practice of sending practitioners to meditate at Mount Kailash and most of the caves and meditation houses around the mountain belong to the Drikung and Drukpa lineages.

Source: གངས་དཀར་ཏི་སིའི་གནས་ཀྱི་དུས་ཆེན་རྟ་ལོ་འཁོར་ཆེན་ལ་རྟེན་འབྲེལ་ཞུ། བོད་ལྗོངས་ནང་བསྟན། 1990 (Published by Buddhist Association of Tibet Autonomous Region in 1990 on the occasion of the Year of Horse Mount Kailash Pilgrimage)

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Die Bedeutung der Farben in der Flagge der Drukpa Linie:

Die blaue Farbe repräsentiert Aktivität, die Aktivität der Bodhisattvas. Die rote Farbe repräsentiert Weisheit, Verstehen, Intelligenz, Aspekt der Erleuchtung.                                               Die rote Farbe steht unter der blauen Farbe, was darauf hinweist, daß die Weisheit als eine Basis die Aktivitäten zum Wohl aller fühlenden Wesen unterstützt. So bedeuten also die beiden Farben der Linie Weisheit zusammen mit Aktivität zum Wohl aller fühlenden Wesen.

Ohne die Weisheit kann man Aktivität zum Wohl aller fühlenden Wesen also nicht praktizieren. Aber auch Weisheit allein für sich kann nichts bewirken. Es ist einfach nur Weisheit, theoretisches Verstehen, und wird keine Aktivität zum Wohl aller fühlenden Wesen in Gang setzen. Weisheit braucht die Ausrichtung durch Aktivität. Aktivität zum Wohl aller fühlenden Wesen. So repräsentieren die beiden Farben also diese beiden wichtigen Aspekt von Praxis.

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Darüber hinaus repräsentiert der Drache blühendes, segensreiches Glück, angewandte Liebe, Gesundheit und Wohlstand. Mitgefühl und Liebe sind nicht hinter einem Schleier von Gebeten und ritueller Praxis verborgen, sondern Mitgefühl muß in liebende Aktivität umgesetzt werden. Dafür ist der Drache das Symbol: Liebe umgesetzt in Aktivität.                                                               Man muß verstehen wie das wirklich wirkt im alltäglichen Leben. Weisheit und Aktivität müssen im täglichen Leben in die Praxis umgesetzt werden, dann entwickeln sich Glück, Liebe, physische und geistige Gesundheit, und spiritueller wie auch materieller Wohlstand

Avalokiteshvara, auf tibetisch Chenrezig, ist nichts anderes als eine Kombination von Weisheit und Aktivität. Die Weisheit jeden Aspekt von Existenz zu verstehen. Im Speziellen ist es die Weisheit zu verstehen was die eigentliche Ursache des Leidens ist. Und um diese Ursache zu beseitigen schläft dieser Bodhisattva nie – wenn wir ‚Avalokiteshvara‘ übersetzen bedeutet das in etwa ’nie geschlossene Augen‘. Die Augen sind immer geöffnet, um nach dem Wohl aller fühlenden Wesen zu schauen, 24 Stunden aktiv. Das sollten auch wir praktizieren.

Aktivität kombiniert mit Weisheit ist die Essenz der Praxis dieser Linie – und auch die Essenz jeglicher Bodhisattvapraxis, dem Weg des Verstehens.

(‚Die Bedeutung der Farben …‘: Auszüge einer Belehrung Seiner Heiligkeit Gyalwang Drukpa am 15.11.2011 in Vietnam)

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Die Übertragungslinie in chronologischer Reihenfolge:

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Urbuddha Vajradhara

(tib.: Dorje Chang)

Tilopa (988-1069)

Naropa (1016-1100)

Marpa (1012-1099)

Milarepa (1040-1123)

Gampopa (1079-1153)

Pagmo Drupa (1110-1170)

Lingchen Repa (1128-1188)

I. Gyalwang Drukpa Tsangpa Gyare Yeshe Dorje (1161-1211)

II. Gyalwang Drukpa Gyalwa Kunga Paljor (1426-1476)

III. Gyalwang Drukpa 
Jamyang Chödrak (1477-1523)

IV. Gyalwang Drukpa Künkhyen Pema Karpo (1527-1592)

V. Gyalwang Drukpa Pagsam Wangpo (1593-1641)

VI. Gyalwang Drukpa 
Mipham Wangpo (1641-1717)

VII. Gyalwang Drukpa Thrinley Shingta (1718-1766)

VIII. Gyalwang Drukpa Künzig Mipham Chökyi Nangwa (1767-1822)

IX. Gyalwang Drukpa Mipham Chökyi Gyatso (1823-1883)

X. Gyalwang Drukpa Mipham Chökyi Wangpo (1884-1930)

XI. Gyalwang Drukpa Tenzin Khenrab Gelek Palzangpo (1931-1960)

XII. Gyalwang Drukpa Jigme Pema Wangchen (geb. 1963)

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I. Gyalwang Drukpa Tsangpa Gyare

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